BET-Studie zeigt Lastmanagementpotenziale für NRW auf

31.08.2016


In einem Stromsystem, das schrittweise immer stärker von einer fluktuierenden, d.h. wetterabhängigen, Erneuerbare Energien-Erzeugung dominiert wird, kommt der Reaktionsfähigkeit des Gesamtsystems eine zunehmende Bedeutung zu. So wird das Thema der Flexibilisierung sowohl auf Erzeugungs- als auch auf Verbrauchsseite wichtiger, um Netzstabilität und Kosteneffizienz zu gewährleisten. Lastmanagement ist hierbei eine von mehreren Flexibilitätsoptionen, damit das System verbrauchsseitig auf die volatile Einspeisung von Sonnen- und Windenergie reagieren kann.
 
In der vorliegende Studie wird die Flexibilitätsoption Lastmanagement in ihren unterschiedlichen Anwendungsformen systematisiert, es werden Vermarktungsmöglichkeiten und Hemmnisse herausgearbeitet sowie die Lastmanagementpotenziale in Nordrhein-Westfalen abgeleitet. Lastmanagement wird dafür unterteilt in Lastverzicht, Lastverschiebung und Lasterhöhung (ohne Ausgleich). Der Aspekt der Sektorenkopplung, also die Umwandlung von (Überschuss-) Strom zur Nutzung der Energie im Wärme- oder Mobilitätsektor wird wie alle weiteren Flexibilitätsoptionen in der Studie nicht näher beleuchtet.
 
Neben den unterschiedlichen Formen des Lastmanagements werden die Potenziale in technische, wirtschaftliche und erschlossene Potenziale differenziert. So werden unter technischen Potenzialen alle Lastmanagementmöglichkeiten gefasst, die mit den bestehenden Konstellationen von Anlagen unter Berücksichti-gung der jeweils spezifischen Eigenheiten des Produktionsprozesses im Prinzip durchgeführt werden können. Hierbei wird nicht berücksichtigt, inwieweit die Option zum Zeitpunkt dieser Potenzialabschätzung einsetzbar ist oder ob noch in die Aktivierung investiert werden müsste. Im Gegensatz dazu beschreibt das wirtschaftliche Potenzial, in welchem Umfang Lastmanagement zu einem bestimmten Zeitpunkt unter den energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen ökonomisch darstellbar wäre. Als Drittes wird das zu einem Zeitpunkt erschlossene Lastmanagementpotenzial betrachtet. Es umfasst den Teil des technischen Po-tenzials, der tatsächlich nutzbar ist. Es sind also alle technischen und organisatorischen Voraussetzungen der Nutzung erfüllt.
 
Mit dieser Studie wird eine Abschätzung der technischen Lastverschiebe- und Lastverzichtspotenziale für Nordrhein-Westfalen vorgenommen. Da das Bundesland aufgrund seiner hohen Stromnachfrage und der hier gebündelten wirtschaftlichen Leistung besonders geeignet scheint, eine verbrauchsseitige Flexibilisierung voranzutreiben und von ihr zu profitieren, werden die technischen Potenziale für die Verbrauchssektoren energie- und nichtenergie-intensive Industrie, Gewerbe/Handel/Dienstleistung sowie Haushalte ermittelt und unterschiedlichen Wertigkeitskategorien zugeordnet. Eine hohe Wertigkeit der identifizierten technischen Lastmanagementpotenziale ist dann vorhanden, wenn sie eine hohe Verfügbarkeit aufweisen, eine hinreichende Abrufdauer gewährleisten und längere Verschiebedauern (für die Nachholung des eigentlichen Prozesses) bieten. Die Wertigkeit nimmt in dem Maße ab, in dem die drei Wertig-keitskriterien – hohe Abrufdauer, hohe Verschiebedauer und hohe Verfügbarkeit – nicht erbracht werden können.
 
Im Ergebnis zeigt sich, dass NRW aufgrund seiner Bevölkerungsdichte und wirtschaftsstrukturellen Gegebenheiten über sehr hohe Potenziale verfügt und daher auch gute Voraussetzungen bietet, um einen nennenswerten Beitrag zur Bereitstellung von Lastflexibilität leisten zu können. Betrachtet man die technischen Lasterhöhungspotenziale, die mindestens zwei der Wertigkeitskriterien erfüllen, so ergibt sich ein gerundetes Lasterhöhungspotenzial von 8,4 GW in NRW. Den privaten Haushalten sind davon 5,8 GW zuzuordnen. Die Lastreduktionspotenziale, die mindestens zwei der Wertigkeitskriterien erfüllen, summieren sich auf rund 1,3 GW, die sich zum größten Teil der energieintensiven Industrie zurechnen lassen.
 
Nach der Potenzialermittlung wird die Höhe der technischen Potenziale in NRW ins Verhältnis zum voraussichtlichen bundesweiten Bedarf gesetzt. Dazu wurden unterschiedliche energiewirtschaftliche Studien zum Strommarktdesign ausgewertet und die darin errechneten Aussagen zur zukünftigen Nutzung und Er-schließung von Lastmanagementpotenzialen miteinander verglichen.
 
Die tatsächliche Erschließung der für NRW identifizierten technischen Lastmanagementpotenziale ist unter anderem von der Entwicklung des energiewirtschaftlichen Bedarfs, der Veränderung von Preisen und Preissignalen am Strommarkt, sowie weiteren rechtlichen, technischen und wirtschaftlichen Parametern abhängig. Einen wesentlichen Einflussfaktor stellen die regulatorischen Rahmenbedingungen dar. Aufbauend auf dieser Analyse werden abschließend Handlungsoptionen für Nordrhein-Westfalen abgeleitet, um die Nutzbarmachung der technischen Lastmanagementpotenziale weiter zu fördern.


Dateien:
Lastenmanagement-NRW.pdf

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